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Ottweiler in der Grafenzeit

Das Banngebiet von Ottweiler ist uraltes Kulturland. Siedlungshinweise reichen bis in die jüngere Steinzeit zurück und lassen sich für die Bronzezeit ebenso belegen, wie für die Zeit der Kelten und vor allem der Römer.

Die Entstehung einer Burg und, damit verbunden, auch der Stadt Ottweiler hängt eng mit der Einrichtung eines Klosters für Chorherren zusammen, dessen Gründung König Ludwig der Deutsche dem Bischof Adventius von Metz am 13. Juni 871 in der königlichen Pfalz zu Tribur bestätigte. 893 erhielt die kirchliche Einrichtung Einkünfte aus dem Dorf Schiffweiler. Die Urkunde darüber berichtet unter anderem von einem Weiler am Fuße des Klosterberges, der noch keinen Namen hatte. Erst 1104 taucht mit Otwilre der Name unserer Stadt auf. Sie ist vermutlich nach einem Herrscher Otto von Sachsen genannt. Von 919 bis 1024 regierten deutsche Könige aus dem Hause Sachsen.

Grafenzeit 4 Ausstellungsraum  Manfred Marx

Schon sehr früh übernahmen die alten Grafen von Saarbrücken den weltlichen Schutz der Klosteranlage und ließen zu Füßen der kirchlichen Einrichtung vermutlich um 1080 als besonderen Stützpunkt eine Wasserburg errichten. Im Jahre 1005 war die klösterliche Gemeinschaft der Chorherren mit einem Stift für adelige Jungfrauen erweitert worden. Aus dem damaligen „novum monasterium“, dem „neuen Münster zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit und des heiligen Terentius“ entstand der Name für den Ortsteil Neumünster in unserer Stadt.

Im Jahre 1393 wurden Schloß, Burg und Vorburg zu Ottweiler in einer Urkunde genannt. Vermutlich war die Siedlung mit der alten Wasserburg, hier Schloß genannt, der Burg, also der mit einer Wehrmauer umgebene Wohnbereich und der Vorburg, der Siedlung außerhalb der Wehrmauer, damals bereits ein befestigter Ort, in dem einige wenige Bürger, Bauern und Gewerbetreibende wohnten und arbeiteten.

Um 1368 heiratete Gräfin Johanna von Saarbrücken-Commercy den Grafen Johann von Nassau an der Lahn und begründete damit die Grafenlinie von Nassau-Saarbrücken. Bis zum Jahre 1792 haben Grafen und Fürsten aus dem Hause Nassau-Saarbrücken über große Teile des heutigen Saarlandes regiert.

Grafenzeit 1 Johann I. Manfred Marx

Im Jahre 1544 schuf Graf Johann I. von Nassau-Saarbrücken eine selbständige Grafschaft Ottweiler, die, mit Unterbrechungen, bis zum Tode des Grafen Friedrich Ludwig im Jahre 1728 bestand. Die mit Mauern und Türmen geschützte Residenz einer besonderen Linie der Grafen von Nassau-Saarbrücken erhielt im Jahre 1550 Stadtrechte und ein Jahr später das Recht, Wochenmärkte durchzuführen. Mittelpunkt der Stadt war das ab 1580 errichtet Renaissance-Schloß, ein Gebäude mit vier Flügeln, vier Stockwerken und mehr als 50 Räumen verschiedener Zweckbestimmung. 1728 war die selbständige Grafschaft Nassau- Ottweiler erloschen, das Residenzschloß nach zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen stark in Mitleidenschaft gezogen. So wurde es leider auf Befehl des Fürsten Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken 1753 abgetragen. Der sogenannte „Pavillon“ und das „Witwenpalais“, beide um 1758 nach Plänen des genialen Generalbaudirektors der Grafschaft Nassau-Saarbrücken, Friedrich Joachim Stengel, errichtet, halten die Erinnerung an glanzvolle Jahre im 18. Jahrhundert wach, einer Zeit, in der in Ottweiler auch ab 1763 Porzellan von bester Qualität hergestellt wurde. Mit der Flucht des Fürsten Ludwig und des Erbprinzen Heinrich vor den Truppen der Französischen Revolution endete im Jahre 1792 die Herrschaft der Grafen und Fürsten aus dem Hause Nassau-Saarbrücken. 

Grafenzeit 2  Manfred Marx

Die Jahre von 1544 bis 1792 dokumentieren einen außerordentlich ereignisreichen und bemerkenswerten Abschnitt der Geschichte unserer Stadt. Mit der Dauerausstellung „Ottweiler in der Grafenzeit“ unternehmen wir den Versuch, diesen bedeutenden Zeitabschnitt vor allem optisch aufzuarbeiten und dem Besucher anhand von Funden, Bildern und Dokumenten ein anschauliches Bild dieser Epoche zu vermitteln. (Text: Dieter Robert Bettinger)