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IMG 0377Ottweiler ist reich an Tradition und Geschichte. Tradition und Geschichte wurden von den Nassauer Grafen und Fürsten entscheidend geprägt. In einem eigens gestalteten barocken Zimmer des Stadtgeschichtlichen Museums werden nun Porträts der Fürstenfamilien und Porzellan-Repliken auf Dauer vorgestellt. Anlässlich der Übergabe des Raumes fand im Stadtgeschichtlichen Museum, in der Linxweilerstraße 5, in Ottweiler eine Feierstunde statt.
Eingangs führte Alt-Bürgermeister Hans-Heinrich Rödle, zugleich 1. Vorsitzender des Vereins für das Stadtgeschichtliche Museum, in die Zeit der Ottweiler Grafen und Fürsten ein, vor allem im Hinblick auf das Wirken von Fürst Wilhelm Heinrich. Rödle dankte den Besuchern für ihr Kommen und ihr Interesse an der Museumsarbeit. 
Mit Wilhelm Heinrich regierte erstmals von 1741 bis 1768 ein Fürst die Grafschaft Saarbrücken und damit auch Ottweiler. Ihm folgte in der Regentschaft sein Sohn Ludwig, bei uns besonders bekannt durch seine 2. Ehe mit Katharina Kest, der Reichsgräfin von Ottweiler. Ludwigs Sohn, Erbprinz Heinrich konnte, bedingt durch die Wirren der Französischen Revolution, sein Erbe nicht mehr antreten. 1793 war die Grafschaft Nassau-Saarbrücken erloschen.


IMG 0384Der Museumsmitarbeiter Klaus Burr vertiefte die historischen Hintergründe, und dies verbunden mit Exkursen zur regionalen Wirtschafts-, Kultur- und Sozialgeschichte. Er überprüfte dabei den Inhalt der Grabinschrift von Wilhelm Heinrich im Hinblick auf ihre Berechtigung: „Ein großer Baumeister war er auf Erden, doch ein schöneres Denkmal setzte er sich in den Herzen der Bürger.“ Von der Ottweiler Porzellanmanufaktur war die Rede - ein Prestigeprojekt des Fürsten, das ihm Ansehen und Reputation bringen sollte. Die verbleibenden Stücke aus der damaligen Zeit sind weltweit zerstreut und erreichen im Kunsthandel hohe Preise. Auch ließ Burr die Bautätigkeit der Fürstenzeit Revue passieren, von der in Ottweiler das Witwenpalais und der Stengelpavillon zeugen. Nicht unerwähnt soll die Erweiterung der evangelischen Kirche nach Osten hin mit ihrem Barockportal und der repräsentativen doppelläufigen Freitreppe bleiben. Der Bergbau wurde vorangetrieben, das Kleingewerbe gefördert. Gleichermaßen war der Straßenbau, beispielsweise nach St. Wendel, ein wichtiges Thema. Die Einführung von Obstalleen und vor allem der Kartoffel sind mit dem Namen des Fürsten und seines Zeit verbunden. Mit dem intensiven Anbau der Kartoffeln konnten Hungersnöte verringert werden. Die Bevölkerungszahl stieg allmählich an. Auf den Fürsten geht im Übrigen die Erstausgabe der Saarbrücker Zeitung zurück, die in Form eines Wochenblatts im Jahre 1761 ihren Anfang nahm. Burr kam zum Ergebnis, dass Wilhelm Heinrich, im Ganzen betrachtet, zahlreiche Reformen bewirkte und die allgemeine Entwicklung als Vertreter des aufgeklärten Absolutismus vorantrieb. 

Im Anschluss dankte Rödle dem Referenten für den fachkundigen Vortrag. Professor Horst Schiffler  
überreichte Klaus Burr die Medaille des „Grumbieregraf“ mit einem Porträt des Fürsten. Schiffler ist Saarlandvertreter des fränkisch-bayerischen Kartoffelclubs mit Sitz in Lohr am Main. (Artikel von Ralf Hoffmann, Stadt Ottweiler)

Weitere Bilder zu dieser Veranstaltung finden Sie auch in der Gallerie (Menüpunkt Bildersammlung) auf dieser Website